Sonntag, 21. Juli 2013

Challenge Roth 2013

Mein längster ganzer Tag


Mein Abenteuer Challenge Roth begann am Freitag dem 12.Juli. Im Konvoi fuhren Christian Sieben, Nina und ich mit der kompletten Ausrüstung und Koffern für den anschließenden Urlaub Richtung Nürnberg über die A6. Nach gut 3 1/2 Stunden fahrt, kamen wir in Roth am Expo Gelände des Triathlon Parks an und stellten dort unsere Autos ab, um unsere Startunterlagen abzuholen.

Nach einem kurzen Boxenstop bei Thorsten Neuls von DEXTRO Energy ging es über das Messegelände. Für den Anreisetag hatten wir uns vorgenommen Neuheiten zu bestaunen, Giveaways an den Herstellerständen abzugreifen und alte und neue Bekannte zu treffen. Anschließend ging es nach Hilpoltstein ins Hotel. Naja, nicht direkt nach Hilpoltstein. Wie sich herausstellte war unser Hotel im Bezirk K und damit nicht im Ort sondern etwas außerhalb, es war aber immer noch nahe genug, um schnell mit dem Auto überall hinzukommen. Und so ging es am Abend wieder zurück nach Roth, um Nudeln zu essen und an der Eröffnungsfeier teilzunehmen, naja sagen wir anwesend zu sein. Das Essen hat uns an diesem Abend mehr gefesselt als die Party. Da die Nudeln an diesem Tag in Roth wohl Mangelware waren, gab es nach der Pasta als Nachtisch noch einen Döner.

Der Samstag, begann sehr entspannt bei einem gemütlichen Team-Frühstück mit allen Startern und Lebenspartnern der im Hotel untergebrachten Tri-Friends. Nach einem kurzen Entspannungskakao ging es dann zur letzten Trainingseinheit vor dem Rennen. Ein Koppeltraining Richtung Solarer Berg. Auf dem Plan standen 20km Rennrad mit 3x 1min max Speed und einem anschließenden lockeren Koppellauf über 3km. Christian und ich machten diese Radeinheit zusammen, um gemeinsam Druck auf dem Rad aufbauen zu können und so rasten wir Richtung Roth. Am Solarer Berg fuhren wir zum ersten mal den wohl berühmtesten Abschnitt des Rother Rennens und konnten uns zu dem Zeitpunkt noch nicht vorstellen, was uns nur einen Tag später genau dort erwarten sollte. 

Am Nachmittag ging es an den Schwimmstart zum Check-In der Fahrräder. Hierbei hatten wir auch die Gelegenheit, uns die Wechselzone genauer anzuschauen und uns die Laufwege einzuprägen. Hier erhielten wir einen ersten Eindruck, von dem was uns am nächsten Tag erwarten sollte. Anschließend ging es wieder zum Messegelände nach Roth. Leute treffen, Souvenirs kaufen und natürlich Essen. Gegen Abend gingen wir mit einem Teil des Teams, nach einem kurzen Zwischenstopp bei einem Imbiss, in eine Pizzeria um vor dem Rennen nochmal richtig Kohlenhydrate zu Bunkern. Mit vollem Bauch, ging es dann zurück ins Hotel, um die letzten Vorbereitungen abzuschließen und früh schlafen zu gehen.  

Sonntag RACE DAY
Der Tag begann um 4:00 Uhr morgens. Nach einem ausgewogenem Frühstück ging es an den Main-Donau Kanal in dem das Schwimmen stattfand. Es starteten 16 Startgruppen, die erste mit den Profis um 06:30, ich war in Startgruppe 9 eingeteilt und startete um 07:25h als vorletzter Tri-Friend. Somit hatte ich an diesem Tag genug Leute zum überholen vor mir auf der Strecke.

Die ersten Profis verließen den Kanal bereits als ich mich um 07:20h für meinen Start vorbereitete. Fünf Minuten später, war das Rennen und mein erster längster ganzer Tag auch für mich offiziell eröffnet. 3,8km Freiwasser schwimmen, 180km Radfahren und 42,192km Laufen lagen jetzt noch zwischen mir und meinem großen Ziel, dem SUB10 Finish. Das Wetter war sonnig, das Wasser ca. 22°C warm und so arbeitete ich mich Armzug für Armzug im Neoprenanzug den Main-Donau Kanal entlang Richtung erstem Wendepunkt. Vor dort ging es zurück Richtung Start und entlang unzähliger Menschenmengen, die das Schwimmen als Auftakt des Rennens hautnah mitverfolgen wollten. Laut Veranstalter waren Sonntags übrigens über 240.000 Menschen an den Strecken rings um Roth, um die Athleten anzufeuern.

Nach 01:05:12 kam ich dann nach offiziell 3,8km aus dem Wasser. Bei der Auswertung meiner GPS Uhr musste ich mit erschrecken feststellen, das ich wohl mehrere Schlenker geschwommen bin. So 100%ig würde ich mich auf diese Daten aber doch nicht verlassen. Zickzack schwimmen ok, aber einmal im Gegenverkehr schwimmen, hm... daran kann ich mich nicht erinnern. Laut GPS soll ich übrigens 4,23km geschwommen sein :)

Nachdem mir freundliche Helfer aus dem Kanal geholfen hatten, ging es im Laufschritt zum Wechselzelt. Unterwegs musste ich noch schnell den Wechselbeutel für den Neo aufnehmen und dann ging es im gewohnten Triathlon-Sprint Tempo aus der schwarzen Pelle raus und rauf auf die Radstrecke.

Hier galt es 180km auf zwei Runden à 90km zu fahren. Gemäß Streckenbeschreibung erwarteten uns auf dieser Strecke 1.500 Höhenmeter und mehrere Stimmungsnester wie zum Beispiel Greding oder den Solarer Berg in Hilpoltstein. Der "Magic Moment - Solar Hill" ist das Markenzeichen der Challenge Roth und macht dieses Rennen durch seine atemberaubende Stimmung und einmalige Atmosphäre in der ganzen Welt berühmt und so einmalig.

Die Radstrecke ging ich genau nach Plan an. Im Vorfeld hatte ich mit meinem Coach die Marschrichtung für das Rennen besprochen und so hatten wir für das Radfahren festgelegt, das ich mich auf dem Rad bei 200-210 Watt bewegen sollte. Bei den Bergen und Stimmungsnestern sollte ich verstärkt auf die Wattwerte achten, da die Zuschauer am Streckenrand uns Athleten die
Berge hoch peitschen würden. Und so arbeitete ich Kilometer für Kilometer der Stecke nach Plan ab. Nach knapp 70km kam ich dann auch zum ersten mal in Hilpoltstein an. Hier erwartete mich der Solarer Berg. Der Berg, der Triathletenherzen höher schlagen lässt und einen für jede verregnete Trainingseinheit 1.000 fach entschädigen sollte. 

Bereits als ich unten um die Kurve fuhr, gingen mir die Nackenhaare hoch knapp 40.000 Menschen drängten sich auf kleinstem Raum direkt am Streckenrand und feuerten die Athleten diesen Berg hoch an, wahrlich ein Magischer Triathlon Moment. Da vor mir eine etwas langsamerer Radgruppe war und überholen auf diesem Streckenabschnitt so gut wie unmöglich war, genoss ich die Fahrt hoch und saugte soviel positive Atmosphäre wie nur möglich in mich auf. Es war der reine Wahnsinn, so was hatte ich bisher nur bei der Tour de France im Fernsehen gesehen und jetzt erlebte ich es live und mitten drin. HAMMER !!! Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich an diesen Moment zurück denke.

Mit einem Grinsen im Gesicht fuhr ich weiter und konnte nach 05:06:22 die 180km als erledigt abhacken. Mit einer solchen Zeit hatte ich im Vorfeld nicht gerechnet. Das ist ein Schnitt von knapp 35 km/h auf 180km Streckenlänge. Mein Plan SUB10 schien aufzugehen, jetzt musste ich nur noch einen Marathon unter 03:47:00 laufen. Es schien möglich zu sein...

Marathon 42,192 km laufen, der Weltrekord liegt bei 02:03:38, 2011 gelaufen in Berlin durch Patrick Makau Musyoki. Profi Triathleten laufen diese Strecke nach dem Schwimmen und Radfahren noch in unter 02:50:00, ich hatte jetzt nur noch 03:47:00 bis zu meinem ersten Langdistanz Finish. Zeit genug um den Traum des SUB10 Finish zu erfüllen und so ging ich die ersten Kilometer mit 4:50 min/km an. Im laufe des Tages, war das Wetter zum leid der Läufer immer besser geworden. An der Laufstrecke am Kanal stand die Luft und Lufttemperaturen um die 25-28°C machten das Laufen nicht gerade leichter.

Auf der Strecke begegneten mir nach Linda, die ich bereits auf der Radstrecke getroffen hatte, die anderen Teammitglieder der Tri-Friends. In den kurzen Momenten wurden schnell Informationen ausgetauscht und danach wieder auf Tunnelblick geschaltet. Für mich liefen die 42,192km ganz gut. Ich trank an jedem Verpflegungsstand Cola und nahm an jedem zweiten ein Gel zu mir, um mir verlorene Energie und Flüssigkeit wieder zuzuführen. Die Versorgung durch die Streckenposten war echt genial, neben Gels und Cola gab es noch Wasser, Isotonische Sportgetränke, Obst, Riegel und sogar klare Brühe. Aber gerade Wasser war an diesem Tag ein wichtiger Schlüssel für den Erfolg. Gefühlte 20 Liter Wasser schüttete ich mir zur Kühlung meines Körpers wegen der Hitze über Kopf, Arme, Brust und Rücken. Ohne diese Zusatzkühlung wäre bereits nach dem Halbmarathon für mich Schluss gewesen.

In der Zwischenzeit waren die Profis sowie die schnellsten Starter des Tages im Ziel eingelaufen und wurden in der DATEV Arena von unzähligen Zuschauern würdig in Empfang genommen. Das Männer Rennen gewann der Wahl-Luxemburger Dirk Bockel in 07:52:01 vor dem Titelverteidiger James Cunname aus Südafrika. Bei den Frauen kamen während ich noch lief, die Schweizerin Caroline Steffen in 08:40:35 und die Niederländerin Yvonne van Vlerken als zweite im Ziel an.

Mein angepeilte Renntempo von 04:50 min/km konnte ich bis zur Hälfte der Rennstrecke ganz gut halten, entschied mich dann aber auf Rat meines Coachs dazu, dass Tempo auf 05:10 min/km zu verlangsamen. Schließlich wollte ich mein SUB10 Ziel nicht durch eine Wanderpause auf der Marathonstrecke in Gefahr bringen. Zwischen Kilometer 27 und 31 quälte ich mich dann mit Seitenstechen über die Strecke und kämpfte mich Stück für Stück Richtung Roth und damit Richtung Ziel.

Auf dem Weg zum Ziel überholte ich noch den einen oder anderen Sportler und bog gegen Ende zu derr Ehrenrunde am Rohter Markplatz ab.

Jetzt knapp 2 Kilometer vor dem Ziel machten sich dann doch noch erste Krämpfe in meinen Füßen bemerkbar. Zeit zum dehnen nahm ich mir jedoch keine, sondern versuchte die Füße beim Laufen zu lockern und so den Krämpfen entgegenzuwirken. Mein Plan ging auf und nach knapp 03:28:00 betrat ich den Zielkanal am Tri-Park in Roth. Hier standen wieder einmal Jörg und Hannes die mich bereits des öfteren an der Strecke angefeuert hatten und riefen mir schon Glückwünsche für das tolle Rennen zu. Alle anderen Freunde warteten in der DATEV Arena auf unseren Zeileinlauf und nach 03:30:17 war es dann auch endlich für mich soweit. Ich überquerte in einer Gesamtzeit von 09:46:36 die Ziellinie und war damit ein SUB10 Triathlet. 


WOW !!! Was ein Gefühl! Den Tränen nahe, warf ich nochmal einen Blick zurück in die Arena um diesen Moment aufzusaugen und für später abzuspeichern. Das sind die Momente für die man sich im Winter quält. Für die man am Wochenende um 06:00 Uhr aufsteht um Radfahren zu gehen oder abends um 20:00h noch einmal Laufen geht. Die unschönen Tage und Momente gehen - aber der Stolz, den man beim Überschreiten der Ziellinie erlebt, der bleibt für immer !!!


Mit einer Gesamtzeit von 09:46:36 belegte ich am Ende den 221. Platz von 3407 Einzelstartern und in meiner Altersklasse den 67. Platz. In der Wertung zu den deutschen Meisterschaften über die Triathlon Langdistanz erreichte ich mit der Zeit den 122. Platz in der Gesamtwertung und den 38. Platz in der Altersklasse 30-34.
.
..

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

das hast du toll gemacht!

Karina hat gesagt…

Hallo Sven,
wenn auch etwas verspätet Herzlichen Glückwunsch zu diesem Wahnsinns Finish. Wir waren etwa 20 Stunden an der Strecke unterwegs und es war auch als Zuschauer einfach nur geil. Am Montag haben wir uns dann direkt angemeldet und so kann jetzt unser Abenteuer Roth 2014 starten, hihi.
Viel Spass und Erfolg in Schalkenmehren. Wir sind dieses Jahr nicht dort, da wir den Inferno-Halbmarathon laufen werden. Das sit so eine Art Streckenbesichtigung, da wir den Inferno auch mal machen wollen, zumindestens als Frauen-Couple. Aber wenn wir Roth überleben...mal sehen.
Viele Grüße
Karina